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| Aus dem Marktplatz wird ein Spielplatz
Ein türkischer Feiertag und sein Stuttgarter Ableger: 25000 Besucher kommen zum Kinderfest Der türkische Akademikerklub EATA und die Stadt Stuttgart veranstalten seit acht Jahren das internationale Kinderfest. Es knüpft an die türkische Tradition an, einen Tag des Kindes zu begehen. Zu "23 Nisan" kamen gestern fast 25 000 Kinder und Eltern. Von Katharina Schönwitz Zoe Aimée Martin steht barfuß in einer Holzkiste, die mit Rindenstücken gefüllt ist. Die Sechsjährige ist etwas ratlos, was sie da unter ihren Füßen spürt. Die Augen hat sie verbunden, spicken ist langweilig. Nur mit Papas Hilfe kommt sie weiter. "Die anderen Sachen waren viel einfacher zu erraten. Auf Sand, Steine und Tannenzapfen bin ich sofort gekommen." Der Sinnesgarten kommt nicht nur bei Zoe Aimée gut an. Die Schlange wird immer länger, obwohl er etwas abseits im Foyer des Rathauses liegt, am Rande des großen Kinderfestes "23 Nisan". Die Sechsjährige ist begeistert. Seit zwei Stunden ist sie da und kann sich kaum noch erinnern, was sie schon alles gemacht hat. "Auf jeden Fall habe ich einen Crêpe mit Schokolade gegessen und beim Malwettbewerb mitgemacht." Von Letzterem zeugen ein Benjamin Blümchen aus Gummi und ein Kuscheldinosaurier, die sie gewonnen hat. Richtig voll ist es auf dem Marktplatz. An einem Stand kann ein Seil geknüpft werden, am nächsten erklärt das Jugendrotkreuz an einem riesigen Teddybär, wie man Erste Hilfe leistet, und beim Bus der Stadtbücherei kann im Schatten geschmökert werden. Serhat und Vildan Gangal haben sich für die Rutsche entschieden, die aus einem Holzbrett und einer blauen Plastikkiste besteht. "Das war ganz schön schnell, und ich habe gedacht, ich falle runter", erzählt der Sechsjährige mit einem breiten Lachen auf dem Gesicht und stellt sich gleich wieder an. Solange die Geschwister mit Rutschen beschäftigt sind, muss der Vater die beiden Eistüten überwachen. In der Warteschlange wird schnell wieder etwas Eis geschleckt. Was den beiden bei "23 Nisan" am besten gefällt, wissen sie gar nicht so recht. "Das Kasperletheater war toll, aber die Tänze auf der Bühne waren auch schön", erzählt die zwölfjährige Vildan. Ebenfalls unterwegs sind die stellvertretende Generalkonsulin der Türkei, Bengü Yigitgüden, und Oberbürgermeister Wolfgang Schuster. Er ist der Schirmherr der Veranstaltung und lässt es sich nicht nehmen, bei den kleinen Bürgern seiner Stadt nachzufragen, wie das Fest ankommt. Auch der Bitte nach einem Erinnerungsfoto mit Familie und Stadtoberhaupt kommt er gerne immer wieder nach. "Ich finde das Fest wichtig, denn so können Vorurteile abgebaut werden", erklärt Schuster bei seiner kurzen Ansprache. In der Türkei hat "23 Nisan" eine lange Tradition. Der Tag des Kindes wurde im Jahr 1920 anlässlich der Eröffnung des ersten türkischen Parlaments von Mustafa Kemal Atatürk als Feiertag eingeführt und steht unter dem Motto "Unsere Kinder sind unsere Zukunft". Der Name "23 Nisan" bezieht sich auf den Tag, an dem das Fest in der Türkei gefeiert wird, nämlich am 23. April. In Stuttgart wird das Fest nun seit acht Jahren gefeiert, von Jahr zu Jahr werden es mehr Vereine, die daran teilnehmen. Initiiert wurde der Stuttgarter Ableger des türkischen Feiertags von
der European Assembly of Turkish Academics Baden-Württemberg (EATA). "Wir
kamen auf die Idee, ein deutsch-türkisches Fest zu feiern, weil wir nur
selten beide Nationalitäten unter einen Hut bekommen haben", sagt der Hauptorganisator
Kerim Arpad, der eine deutsche Mutter und einen türkischen Vater hat. Doch
nicht nur Deutsche und Türken spricht das Fest an. Auf der Bühne wird zuerst
Flamenco getanzt, anschließend brasilianischer Capoeira, danach folgen
portugiesische Volkstänze.
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