28.04.2008
"Türkische Sonne" scheint auf dem Marktplatz
Tausende feiern Tag des Kindes in der Innenstadt

"Die Sonne der Türkei scheint heute auch auf dem Marktplatz", sagte Oberbürgermeister Wolfgang Schuster, Schirmherr des internationalen Kinderfestes in Stuttgart. Knapp 25 000 Kinder und Eltern feierten am Sonntag den Tag des Kindes, der auf türkisch 23 Nisan heißt.

VON MICHAELE HESKE

"Die Kinder sind die Erwachsenen von Morgen - und deshalb besonders wichtig", soll Atatürk gesagt haben. "Seit der Staatsgründung im Jahre 1920 wird am 23. April traditionell das Fest des Kindes in der Türkei gefeiert", so Vizekonsulin Bengü Yigitgüden vom türkischen Generalkonsulat Stuttgart.

In der Stadt fand heuer die achte Auflage des großen  Kinderfestes statt - aus der Taufe hob es in Stuttgart der heute 31-jährige Kerim Arpad, Vorsitzender der Vereinigung türkischer Akademiker EATA: "Mein Vater war Türke, meine Mutter Deutsche - und so lebte ich ständig zwischen beiden Kulturen." Um den persönlichen Zwiespalt zu überwinden, aber auch um Traditionelles aus Vaters Heimat zu etablieren, wandte er sich an die Stadt. Unterstützt wurde er dabei vor allem von der SPD-Politikerin Ute Kumpf. "Ich habe 1968 mit meinem Mann Urlaub in der Türkei gemacht und dort erstmals 23 Nisan miterlebt", erzählte Kumpf, "ein faszinierendes und prägendes Ereignis, das die Stellung der Kinder in diesem Land deutlich zeigt."

Wie in jedem Jahr kam die Bundestagsabgeordnete auch am Sonntag auf den Marktplatz. Crêpes- und Kebab-Stände gab es vor dem Rathaus, ein Parcours lud die Kleinen zum Bobbycar-Rennen ein, während orientalische, südamerikanische und deutsche Rhythmen aus den Lautsprechern klangen. 
Theaterspiele, eine Zirkusaufführung und Hip-Hop-Darbietungen sowie Informationsstände rundeten das Bild vor und im Rathaus ab. Insgesamt nahmen 50 Vereine teil: "Wir haben vor acht Jahren ganz klein begonnen. Mittlerweile hat der Tag des Kindes auch in Stuttgart Tradition", sagt Arpad.

Schuster betonte, wie wichtig es sei, dass türkische Kinder die deutsche Sprache lernen: "Nur wer des Deutschen mächtig ist, hat später Chancen auf eine gute Schulbildung und einen Ausbildungsplatz. Wir möchten, dass alle Kinder - egal aus welchem der 170 Herkunftsländern sie kommen - zu guten Stuttgartern werden." Ein Ziel, dass sich auch der türkische Gesamtelternbeirat gesetzt hat. "Die Kinder sind die Zukunft unserer Stadt und unseres Landes", sagt die Vorsitzende Kurtulus Zabun.

Während die Erwachsenen über die Chancen der Zuwanderer sprachen, übten die Kleinen das Miteinander: "Ich habe viele türkische Freunde", sagte die sechsjährige Sarah Meisterle und hakte Funda Ylmaz unter, um mit ihrer Schulkameradin Flamenco vor der Bühne zu tanzen. Vater Günther Meisterle, der mit beiden Mädchen zum Fest kam, glaubt: "Kinder haben weniger Berührungsängste als wir Erwachsene."


www.eata.info/bawue/