28.09.2007
Preis für Kinderfest und Jobpaten
Land zeichnet Bürgeraktionen aus

Zwei Stuttgarter Bürgeraktionen werden am Samstag, 29. September, vom Land Baden-Württemberg ausgezeichnet: die Jobpatenschaften der Freiwilligenagentur Stuttgart und das Internationale Kinderfest "23 Nisan".

VON SABRINA WENDLING

292 Aktionen hatten sich beim 18. Landeswettbewerb für "beispielhaftes Engagement im Dienst der Gemeinschaft" um eine Auszeichnung beworben. 47 Initiativen davon erhalten letztendlich einen Preis, zwei kommen aus Stuttgart. Unter den Preisträgern befinden sich auch sechs Initiativen aus den Landkreisen Ludwigsburg, Göppingen und Böblingen.

Mit ihrem Kinderfest setzt sich die European Assembly of Turkish Academics (EATA) für Toleranz und Integration ein. Wenn ein türkisches, ein afrikanisches und ein deutsches Kind zusammen auf der Hüpfburg spielen, ist das für Kerim Arpad der schönste Lohn. Seit sieben Jahren organisiert er mit der EATA das Internationale Kinderfest "23 Nisan" in Stuttgart. Vor sieben Jahren noch lösten die Plakate zum Fest große Verwunderung aus: "Wie – die Automarke feiert", wurde Kerim Arpad oft gefragt. "Nein, nicht Nissan, sondern Nisan", antwortete er immer wieder. "Nisan" nämlich ist das türkische Wort für April. Und am 23. April wird in der Türkei traditionell das Kinderfest gefeiert. In den siebziger Jahren weitete sich diese Tradition auch auf andere europäische Länder aus. 2001 feierte die EATA das Fest erstmals in Stuttgart.

Zum ersten Mal lernte Kerim Arpad das Kinderfest im Jahr 2000 in Berlin kennen. Danach ging er gleich in die Planungsphase für ein internationales Kinderfest in Stuttgart. Seine eigene Skepsis war zunächst groß: Woher sollte man das Geld nehmen für ein Kinderfest? Würde man genügend Leute finden, die mitmachen wollen? Von Anfang an mit dabei war Stuttgarts Oberbürgermeister Wolfgang Schuster als Schirmherr, im Jahr 2004 stieg die Stadt Stuttgart als Mitveranstalter ein. Mittlerweile hat es schon Tradition, dass sich am Sonntag nach dem 23. April der Marktplatz in einen bunten Kinderrummel verwandelt, wo Kinder nicht nur spielen, sondern auch viel über andere Kulturen lernen können.

Sie haben eine 60-Stunden-Woche, sind in Führungspositionen und kümmern sich nebenbei noch um Arbeitsuchende: Die Jobpaten der Stadt Stuttgart. Wie Schatzsucher fühlen sie sich, wenn sie Arbeitsuchenden gegenübersitzen und ganz tief graben, um den Menschen sagen zu können, was sie Tolles können.

Begonnen hat das Projekt der Stuttgarter Freiwilligenagentur im Juni 2005, koordiniert wird es von der städtischen Ehrenamtsbeauftragten Yvonne Schütz. Vor den Mitarbeitern der städtischen Ehrenamtsbörse saßen Arbeitslose, die einfach mal wieder unter Menschen kommen wollten. Und mindestens genauso viele Menschen aus Führungspositionen, die sich im Ruhestand engagieren wollten. "Diese Gruppen muss man doch zusammenbringen", haben sich die Mitarbeiter der Freiwilligenagentur gedacht: Führungskräfte und Personaltrainer sollten sich um hoch motivierte Arbeitsuchende kümmern, um deren Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt wieder zu verbessern. Heute engagieren sich 34 Jobpaten. In bisher 128 Einzelcoachings haben Paten und Arbeitsuchende gemeinsam Ziele festgelegt und Bewerbungen vorbereitet. "Letztendlich messen wir unseren Erfolg aber nicht an der Zahl vermittelter Arbeitsplätze", sagt Schütz, "die Arbeitssuchenden sollen motiviert und gestärkt aus dem Coaching herausgehen." Alle zwei Wochen treffen sich Paten und Suchende, manchmal über Monate hinweg - und das, obwohl zwei Drittel der Jobpaten berufstätig sind. Für diese ehrenamtliche Arbeit bekommen sie nun einen Preis. Die Anerkennung der Arbeit findet Schütz wichtig: "Was kann Besseres passieren, als wenn der Ministerpräsident selbst die Arbeit der Paten würdigt?"


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