ka-news, 08.12.2006
Die Welt ist ein Dorf
Integration bleibt das Thema der Zukunft

Karlsruhe - Wenn die Welt ein Dorf ist, dann ist Karlsruhe wohl eine kleine Straße. Eine Straße in der aber zahlreiche Menschen mit unterschiedlicher Herkunft miteinander leben. Die Integration von Migranten in die Gesellschaft ist darum das Thema der Zukunft. Die Diskussion wurde nicht erst durch den Integrationsgipfel in Berlin angestoßen. Sie geht auch in Karlsruhe weiter - wie gestern beim "Themenabend Integration" des Zentrums für Angewandte Kulturwissenschaft (ZAK).

Zahlreiche Zuschauer fanden am gestrigen Abend den Weg in die Universität Karlsruhe und näherten sich zusammen mit Experten aus Wissenschaft und Praxis der Thematik. Zudem stellten Studenten des Projektseminars "Städtische Integration von Zuwanderungsgruppen" ihre Ergebnisse vor. Dabei wurde schnell klar, dass es in der Fächerstadt zwar sehr viele gute Projekte gibt, es hapert aber an der Transparenz.

"Die Sprachkurse werden sehr gut angenommen"

Es wird in Karlsruhe viel für die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund getan. Beispiele sind hierfür die Aktionen des Stadtjugendausschusses, des Internationalen Bunds oder die Arbeit des Internationalen Begegnungszentrums (IBZ). Des Weiteren an der Universität wird durch die Internet-Plattform "WIRE" viel für das Miteinander von Migranten und Einheimischen getan.

Doch es gibt nicht nur in Karlsruhe noch viel zu tun. So forderte Havva Engin von der Pädagogischen Hochschule (PH) Karlsruhe, dass die Stunden für die Integrationskurse aufgestockt werden müssen. Bislang sind 600 Stunden vorgesehen. Engin betonte aber, dass diese Zahl zu wenig ist: "Es sollten schon mindestens 1.000 Stunden sein." Sie unterstrich aber die große Bereitschaft der Migranten: "Die Sprachkurse werden sehr gut angenommen."

Diskussion soll weiter geführt werden

Kerim Arpad, Mitglied des Internationalen Ausschuss der Stadt Stuttgart und in der europäischen Vereinigung türkischer Akademiker Baden-Württemberg forderte, dass sich "die Angebote mehr an den Personen orientieren müssen". Es waren sich aber alle Podiumsteilnehmer darin einig, dass Integration nur funktionieren kann, wenn bei den Migranten die Bereitschaft zum Deutsch lernen vorhanden ist. Doch Sprache ist nicht alles. "Kommunikation geht auch ohne gemeinsame Sprache", meinte Teruko Matsushima-Fritz von der Deutsch-Japanischen Gesellschaft Karlsruhe. Man muss aufeinander zu gehen, denn das ist gelebte Integration.

Ein weiterer wichtiger Punkt der Diskussion war zudem die Ausbildung der Kinder. "Man muss bei den Kindern anpacken", unterstrich Engin. So bleibt nach ihrer Meinung vielen Migrantenkindern der Zugang zu höherer Bildung verwehrt. "Denn nur über schulische und berufliche Integration kann gesellschaftliche Integration funktionieren", so die Juniorprofessorin. Noch herrscht in vielen Bereichen eine "subtile Diskriminierung" vor, wie Caroline Y. Robertson-von Trotha, Direktorin des ZAK und Moderatorin des gestrigen Themenabends, unterstrich.

"Der Abend soll zur Diskussion anregen, die wir in Zukunft auch weiterführen wollen", so Robertson-von Trotha. Die gestrige "experimentelle Annäherungsweise an das Thema Integration", so die Leiterin des ZAK, war dafür ein erster gelungener Schritt, die Thematik auch in Karlsruhe transparenter zu machen. Zum Nachdenken hat der Abend sicherlich angeregt. Dafür sorgten neben der Diskussion und der Vorstellung der studentischen Ergebnisse auch die eingespielten Filmzitate, wie beispielsweise aus Jim Jarmuschs "Night On Earth", durch Wolfgang Petroll. Integration ist eben mehr. (tmr)


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