24.04.2006
Politiker werben um Bereitschaft zur Integration
Kinderfest auf dem Marktplatz hat auch ernste Seiten

Der Nachwuchs hat am Sonntag Marktplatz und Rathaus in Beschlag genommen: Mit einem internationalen Kinderfest wurde der 23 Nisan, der türkische Tag des Kindes, gefeiert. Dabei appellierten Politiker an Migrationseltern, ihren Kindern neben der Muttersprache auch das Erlernen der deutschen Sprache zu ermöglichen.

VON JÜRGEN LESSAT

Auf der Showbühne sorgte der Tigerenten-Club für Unterhaltung, mit einem Polizeiauto durften Dreikäsehochs mal Probe fahren, im Klingenden Doppeldeckerbus trommelten die Kleinsten um die Wette: Rund 50 Vereine und Einrichtungen beteiligten sich am internationalen Kinderfest, das anlässlich des türkischen Tags des Kindes gefeiert wird. Tausende Besucher nutzten bei strahlendem Sonnenschein die Spielangebote zwischen Sinnesgarten und Leseecke.

Neben Spaß bot das Fest auch ernste Seiten mit tagespolitischem Bezug. In ihren Grußworten betonten Landessozialministerin Monika Stolz und OB Wolfgang Schuster die Bedeutung von deutschen Sprachkenntnissen bei Migrantenkindern. „Die eigene Muttersprache stiftet kulturelle Identität“, betonte die Ministerin. Zugleich müssten Kinder mit ausländischem Pass aber auch die deutsche Sprache erlernen. „Die Kinder haben ein Recht auf Sprachförderung in Kindergarten und Schule, nur dann ist ein gegenseitiges Verstehen möglich.“

Schuster appellierte an die Eltern, ihre Kinder beim Erlernen der deutschen Sprache zu unterstützen. „Machen Sie mit, sagen Sie es weiter, damit mehr Kinder mit ausländischem Pass Erfolg an weiterführenden Schulen haben“, appellierte er.

23 Nisan, der 23. April, ist in der Türkei seit 86 Jahren Nationalfeiertag. „Mustafa Kemal Atatürk, der Gründer unserer Republik, hat ihn unter dem Motto ,Kinder sind unsere Zukunft“ eingeführt“, so Kerim Arpad vom Verein der türkischstämmigen Studierenden und Akademiker in Europa (EATA). Das Land am Bosporus gehört damit zu den wenigen Staaten, in denen Kinder derart Beachtung finden. 1989 wurde der Feiertag offiziell zum internationalen Kinderfest aufgewertet, seither nehmen auch Kinder aus Anrainerstaaten der Türkei an den landesweiten Festivitäten teil.

Es ist eine Tradition, die von den baden-württembergischen EATA-Mitgliedern nach dem Jahrtausendwechsel auch nach Stuttgart übertragen wurde. „Auf unserem Fest sollen die Kinder nicht nur die eigenen Wurzeln, sondern auch andere Kulturen kennen lernen“, umschreibt Arpad Integration als das Ziel des spielerischen Zusammenseins. Zur sechsten Auflage des Fests hatte erstmals auch das Rathaus seine Türen geöffnet, so konnten Kinder mit dem OB in der Rathausküche das Wappentier der Stadt, das Stuttgarter Rössle, backen.
 



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